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Marsch für das Leben 2016 am 17.09.2016 in Berlin

Pressemitteilung zur Halbzeit der „Woche für das Leben“

BVL-Tagung „Du sollst nicht töten ... lassen – Grenzen der Selbstbestimmung“ war ein Erfolg. Robert Spaemann: Es gibt kein gutes Töten!

(21.04.2015)

Bonn/Berlin. „Es ist erschreckend, wie uninformiert manche mitreden, aber es ist erfreulich, wie viele an wirklichem Wissen interessiert sind“, sagt der BVL-Vorsitzende und Publizist Martin Lohmann, der zugleich dankbar für die Fachtagung anlässlich der Eröffnung der „Woche für das Leben“ ist. Erstmals hatte der Dachverband der Lebensschützer die von den Kirchen verantwortete jährliche Initiative durch eine eigene Veranstaltung begleitet. „Unsere Experten für das Leben haben tatsächlich viel Licht in die Debatte gebracht, in der es so viele wichtige Fragen gibt, die nicht unbeantwortet bleiben dürfen“, resümiert Lohmann. Der BVL hatte seine Tagung eigens unterbrochen, um allen die Teilnahme an den kirchlichen Eröffnungsfeiern zu ermöglichen. Man sei den hervorragenden Referenten auf der BVL-Tagung „ausgesprochen dankbar, dass sie zum Ausdruck brachten, was andernorts eher hilflos verschwiegen“ werde, wobei jedes „angstvolle Verschweigen letztlich für jedermann lebensgefährlich“ sei.
In seinem vielbeachteten Grußwort betonte der Philosoph Professor Robert
Spaemann, dass der Selbstmord trotz anderer Behauptungen in der aktuellen
Debatte „kein Akt der Befreiung“ sein könne, zumal „wenn das Subjekt möglicher Freiheit vernichtet“ werde. Spaemann warnte vor einer „verhängnisvollen Entwicklung“, die ihren Lauf nehme, „wenn wir sie nicht aufhalten“. Er erinnerte an die immer wieder vergessene oder geleugnete Verantwortung vor Gott, der den „ersten Brudermörder Kain zur Rede“ stellte: „Er fragt nicht, ob er dem Abel etwas zuleide getan hat, er fragt nur: Wo ist dein Bruder? Kain ist ein Liberaler. Er antwortet: Bin ich denn der Hüter meines Bruders? Wieso muss ich wissen, wo er ist? Aber Gott will, dass er das weiß. Aber nicht, um ihm behilflich zu sein dabei, sich selbst zu töten.“
Der Mensch dürfe sich nicht „an sich selbst“ vergreifen. Spaemann ganz konkret: „Täuschen wir uns nicht: Der Druck auf Menschen, sich töten zu lassen – Menschen, die leben, aber deren Sterben begonnen hat –, wird unvermeidlich. In den Niederlanden hat er längst eingesetzt. Wir müssen jetzt auf die Bremse treten.“
Axel W.Bauer: Kalkulierter Verrat am hippokratischen Eid.
Der Heidelberger Medizinethiker Professor Axel W. Bauer betonte, der Mensch sei „zwar faktisch in der Lage, sich selbst zu töten“, doch könne „er diesen Schritt ethisch nicht einfach unter Berufung auf die Selbstbestimmung legitimieren: Ein Akteur, der wohl überlegt diejenige physische Struktur irreversibel zerstört, die seine Handlungsfreiheit durch ihre Existenz überhaupt erst ermöglicht, handelt moralisch nicht legitim, sondern – um es mit einem etwas aus der Mode gekommenen Ausdruck zu benennen – frevelhaft, und dies selbst dann, wenn seine Motivation zur Selbsttötung emotional nachvollziehbar wäre.“
Bauer machte deutlich, dass die Entscheidung zum Suizid „nicht frei“ sein könne. Die Selbsttötung erscheine „nur als der einzige Ausweg, den der Suizident momentan noch sieht: Zu echter Entscheidungsfreiheit gehört aber eine wählbare und akzeptable Alternative. Wenn es eine solche nicht gibt, dann sollte man den Euphemismus „Freiheit“ meiden, denn dieser anspruchsvolle Begriff trägt hier nichts zur Erhellung der Sachlage bei.“
Zudem sei es im Blick auf die Unterscheidung von gewerblicher und nicht
gewerblicher Suizidhilfe nur logisch zu erkennen, dass „eine an sich gute oder
wenigstens moralisch neutrale Handlung nicht dadurch schlecht werde, dass sie
Geld kostet. Umgekehrt aber wird eine an sich schlechte Handlung auch nicht
dadurch gut, dass sie gratis zu haben ist.“ Heute stehe man vor dem „kalkulierten Verrat am Hippokratischen Eid“. Zudem sei ersichtlich: „Wenn die ärztliche Mitwirkung am Suizid eines Bürgers vom Staat legitimiert würde, dann sänke nicht nur die subjektive Hemmschwelle, diese Mitwirkung auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen. Es würde der soziale Druck zunehmen, dass Sterbeunwillige die Nichtanspruchnahme dieser Gesundheitskosten sparenden Dienstleistung begründen müssten. Die privilegierte Zulassung des durch Ärzte assistierten Suizids würde einen völlig neuartigen Erwartungs- und Entscheidungshorizont am Lebensende eröffnen.“ Und deshalb sie es erforderlich, wenn man die „Suizidbeihilfe effektiv einschränken möchte“, diese Beihilfe „ohne Ausnahme“ zu verbieten.
Manfred Spieker: Selbstbestimmung mündet in Selbstentsorgung.
Der emeritierte Osnabrücker Sozialethiker Professor Manfred Spieker ging ebenfalls
auf die grundsätzlichen Fragen ein und verwies darauf, dass mit der Legalisierung
der Euthanasie in den Niederlanden vor wenigen Jahren „die ein halbes Jahrhundert
währende Tabuisierung der Euthanasie in Europa zu Ende“ gegangen sei. Es sei
zwar verständlich, dass der Mensch „Planungssicherheit bis zum letzten Tag seines
Lebens“ wolle. Doch Planungssicherheit bis zum Ende des Lebens sie eine Illusion.
„Selbstbestimmung“ spiegele eine Autarkie vor, die nicht der conditio humana
entspreche. Denn: „Der Mensch ist eingebunden in vielfältige soziale Beziehungen.
Er ist von Geburt an angewiesen auf andere. Diese Angewiesenheit dauert bis zu
seinem Tod. Die Freiheit des Menschen verwirklicht sich nicht in einer Autarkie des
eigenen Ichs ohne Bezug auf Mitmenschen.“
Spieker sieht mit Besorgnis, dass die organisierte Beihilfe eine soziale Akzeptanz
suggeriere: „Wenn im Falle eines unerträglichen Leidens der Tod auf Rezept
ermöglicht wird, wird dem sozialen Druck erst die Bahn geebnet.“ Wer wolle „noch
weiterleben, wenn er spürt, dass sein Weiterleben den Angehörigen eine große Last
bedeutet? Eine tödliche Falle der Selbstbestimmung: Sie mündet in
Selbstentsorgung.“
Es sei schon jetzt in den Niederlanden zu sehen, dass zu den fatalen Folgen dieser
gefährlichen Entwicklung „die Beziehungen zwischen Arzt und Patient“ verdreht
werden. Es gebe „zahlreiche Indizien, die zu der Schlussfolgerung führen, dass das
Euthanasiegesetz das Vertrauen in die Ärzte beschädigt hat.“ Eine andere
Schlussfolgerung dränge sich auf: „Die Legalisierung der Suizidbeihilfe macht die
Duldung unerwünschter Handlungen wie der Tötung auf Verlangen wahrscheinlicher.
Die Abgrenzung der Suizidbeihilfe zur Tötung auf Verlangen“ sei „sehr, sehr
unscharf“, und diese Grenze werde „mit der Zeit notwendigerweise verschwinden“.
Martin Lohmann: „Wir lieben das Leben. Immer.“
Der BVL-Vorsitzende und Theologe sowie Journalist Martin Lohmann
diagnostizierte, dass „vor allem das Tötungsverbot des Schöpfers, das ein Auftrag
zum Schutz des Lebens eines jeden Menschen ist“, viele heutzutage „regelrecht zu
stören“ scheine. Es stehe vermeintlich „einem Freiheitsdenken entgegen, das die mit
der Freiheit immer und genuin verbundene Verantwortung neu zu definieren sucht
oder diese phantasiereich zu umgehen versucht“. Und so gebe es „gerade bei
„diesem vom Lebensschöpfer geschenkten Fundament des Lebens und jeder
Humanität zahlreiche Initiativen, den Schöpfer zu korrigieren oder dessen eindeutige
Orientierung wegzudrücken, zu leugnen oder fehlzudeuten. Und dies, das ist in
Zeiten der Verwirrung und der Irritationen immer so, mit Hilfe von vermeintlich
einleuchtenden und verfänglichen neuhumanen Argumenten, welche die Sehnsucht
nach Barmherzigkeit und das Mitleid in Grenzsituationen zu bedienen scheinen.“
Gerade deshalb sei es so wichtig, im Rahmen der „Woche für das Leben“ durch
orientierte Klarheit Zeugnis für das Leben zu geben. Lohmann wörtlich: „Du sollst
nicht töten! Das bedeutet auch: Du sollst leben! Und: Du sollst im Blick auf das ewige
Leben, zu dem du berufen bist, würdevoll sterben können!“
Die Treue zu Gott und seinen Geboten verleihe Klugheit für das und zum Leben:
„Gottes Bestimmung ermöglicht unsere humane Selbstbestimmung. Sie ist Grenze
und zugleich Freiheit.“ Das Bekenntnis im BVL bleibe auch künftig klar: „Wir lieben
das Leben. Immer. Vom Anfang bis zum Ende. In der Freiheit der Kinder Gottes.
Also in aller Freiheit.“
Gerade auch anlässlich der „Woche für das Leben“ lädt der BVL wieder herzlich
ein zum „Marsch für das Leben“ am 19. September 2015 in Berlin. Auch die
Verantwortlichen der „Woche für das Leben“ sind besonders willkommen. Dort könne
man, so der BVL-Vorsitzende, „gemeinsam diese Liebe zum Leben“ zeigen.
Hinweis: Die Vorträge der Fachtagung befinden sich alle auf der Homepage des
Bundesverbandes Lebensrecht: fachtagung.bv-lebensrecht.de