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Manipulative Berichterstattung über "Marsch für das Leben" im RBB 23.09.12

Wer eine faire Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien erhofft hatte, müsste enttäuscht sein.

(24.09.2012)

(MEDRUM) Mehr als 2.500 Menschen nahmen am "Marsch für das Leben" am Samstag in Berlin teil. Die Teilnehmer wollten damit gegen die rechtswidrige und massenhafte Abtreibung ungeborener Kinder demonstrieren (MEDRUM berichtete: Kein Rettungsschirm für ungeborene Kinder). Wer eine faire Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien erhofft hatte, müsste enttäuscht sein. Denn die Berichterstattung des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) über diese Veranstaltung kann selbst bei Anlegen eines großzügigen Maßstabs nicht als angemessen, sondern eher als selektiv und manipulativ bezeichnet werden.

Was der RBB berichtet

Der RBB, Teil der gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, widmete dem Anliegen der Teilnehmer an der Veranstaltung des Bundesverbands Lebensrecht in seiner Rubrik "Nachrichten" genau 31 Worte. Der Leser erfährt lediglich, dass die Veranstaltung vom Bundesverband Lebensrecht organisiert wurde und sich 2.500 "Abtreibungsgegner" vor dem Bundeskanzleramt trafen und durch das Regierungsviertel zogen.

Umso mehr Aufmerksamkeit schenkt der RBB dem Anliegen von Gegendemonstranten. Ihnen widmete der Sender mehr als das Doppelte, insgesamt immerhin 79 Worte. Der Leser erfährt zunächst, dass sich 100 Gegendemonstranten eingefunden hatten, die zwar versuchten, die Veranstaltung zu stören, aber friedlich geblieben seien. Und weiter wird informiert, dass die Gegendemonstranten gegen ein Verbot von Abtreibungen und für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen demonstrierten. Sekundierend dazu präsentiert der RBB dem Leser am Schluss seiner Nachricht schließlich exklusiv und unwidersprochen die Aussage der Grünen-Politikerin und frauenpolitischen Sprecherin Karoline Killat, die kritisiert habe, dass die "radikalen Abtreibungsgegner alle Frauen als gewissenlos diffamieren, die eine schwierige und persönliche Entscheidung getroffen haben".

Ebenso selektiv wählt der RBB das Bildmaterial aus. Gezeigt wird ein Foto der Gegendemonstranten, auf dem ein Schild mit der Aufschrift "Gib Religion keine Chance" gezeigt wird.

Worüber der RBB nicht berichtet

In der Nachricht des RBB findet sich kein Wort darüber, dass die Teilnehmer (nach Polizeiangaben 2.700) angesichts von jährlich mehr als 100.000 Abtreibungen dafür geworben haben, das ungeborene Leben wirksamer zu schützen. Der BVL sagt dazu in einer Erklärung zur Veranstaltung:

"Angesichts wachsender Gefährdung des ungeborenen menschlichen Lebens in Deutschland und Europa
appelliert der Bundesverband Lebensrecht an Politik und Gesellschaft, das Recht auf Leben als oberstes
Menschenrecht und elementare Grundlage unserer rechtsstaatlichen Ordnung strikt zu achten und wirksam zu schützen.
Jeder Mensch, ob geboren oder ungeboren, hat das Recht auf Leben und Achtung seiner Würde.
Jeder Mensch ist gleich wertvoll, unabhängig vom Stand seiner Entwicklung, von Eigenschaften und Umständen.
Die Schutzpflicht des Staates gilt jedem einzelnen Menschen.Dessen Menschenwürde und Lebensrecht ist unabhängig von der Entscheidung Dritter."

Dieses Anliegen ist identisch mit dem Wert, den das Grundgesetz dem Leben des Menschen und seiner Würde beimisst. Doch das alles bleibt unerwähnt.

Ebenso findet sich in der Nachricht des RBB kein Wort darüber, dass das Anliegen der Veranstaltung sowohl von namhaften Vertretern aus der Politik als auch aus der Kirche unterstützt wurde. Zur Veranstaltung hatten sich unter anderem der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, der neue Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki, sowie auch der evangelische Bischof Markus Dröge von Berlin-Brandenburg und der Kölner Kardinal Meisner geäußert. Ihre Grußworte und Äußerungen anlässlich des diesjährigen Marsches für das Leben scheinen dem RBB im Gegensatz zum Statement der grünen Regionalpolitikerin Killat nicht einmal erwähnenswert. So erscheint es für den RBB offenbar als ebenso selbstverständlich, auch die Berliner Erklärung des Veranstalters unerwähnt zu lassen, geschweige denn zu zitieren. Ein Foto, das dem Leser wenigstens einen bildlichen Eindruck über den Marsch für das Leben vermitteln könnte, fehlt dementsprechend ebenso. Vor diesem Hintergrund versteht es sich nahezu von selbst, dass auch der ökumenische Abschlussgottesdienst, der unter anderen vom Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, mitgestaltet wurde, verschwiegen wird. Sein Engament machte Steeb jüngst in einem Interview mit kath.net deutlich, wo er über die hohe Zahl von Abtreibungen in Deutschland sagte: "Es ist die Menschenrechtskatastrophe Nummer 1, dass Abtreibungen in diesem Ausmaß stattfinden.“

Was der BVL nach der Veranstaltung sagte

In einer Pressemitteilung erklärte der BVL nach der Veranstaltung:

Mit rund 3000 Teilnehmern war der diesjährige Marsch für das Leben wiederum viel größer als im Vorjahr.
Der BVL-Vorsitzende Martin Lohmann zeigte sich beeindruckt und dankbar. Es sei „ein mutiges und
ermutigendes Zeichen, dass sich immer mehr Freunde des Lebens mitten in der Hauptstadt friedvoll und
deutlich zum unantastbaren Lebensrecht bekennen“. Aus zahlreichen Gesprächen wisse man, dass „die
hier anwesenden Lebensschützer stellvertretend für unglaublich viele Menschen demonstrieren, die ebenso gegen die Unkultur des Todes eine Kultur des Lebens“ wollen.

Fazit

Dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, eine Informationsgrundversorgung der Bürger zu gewährleisten, ist der RBB keinesfalls gerecht geworden. Einerseits wurden dem Leser wesentliche Informationen vorenthalten, während andere, vergleichsweise weniger relevante Informationen mit einem hohen Stellenwert bedacht und dem Leser präsentiert wurden. Gemessen am Auftrag und journalistischer Profession scheint nicht nur der Vorwurf mangelnder journalistischer Qualität, sondern sogar einer manipulativen Berichterstattung begründet zu sein. Ob dies mit Bedacht oder unbedacht geschah, akzeptabel ist beides nicht.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg rbb, wird durch seine Intendantin Dagmar Reim vertreten.

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